Lebensphasenaufstellungen nach Dr. Wilfried Nelles

Die Methode der Lebensphasenaufstellungen wurde von Dr. Wilfried Nelles entwickelt. Sie beruht auf dem 7-stufigen Bewusstseinsmodell, das er in seinen Büchern "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" und "Umarme dein Leben" ausführlich beschrieben hat.  Nelles nennt diesen Prozess Lebensintegrationsprozess (LIP) und die Aufstellungsmethode auch LIP-Aufstellungen.

Ziel einer Lebensphasenaufstellung

Das Potential dieser Aufstellungsarbeit ist noch nicht abzusehen, obwohl sie äußerlich unspektakulär verläuft. Zuerst geht es um das Erkennen und um die Integration der Ressourcen, die uns für unser Leben mitgegeben wurden.
Nelles hat, als er diese Arbeit entwickelte, entdeckt, dass jedem Menschen eine besondere Fähigkeit (Lebensqualität) gegeben ist, die bereits vor unserer Geburt voll lebendig ist. Leider haben viele Menschen schon in der Kindheit durch traumatische Erfahrungen den bewussten Kontakt zu dieser besonderen Lebensenergie verloren, haben inzwischen Angst vor dieser besonderen Kraft (es erfordert später dann oft Mut und Vertrauen, sich damit zu zeigen) oder nur in besonderen "Sternstunden" zu ihr Kontakt.

Dann geht es um die Integration der Erfahrungen und Schätze, die wir uns selbst erarbeitet und die uns im Wesentlichen geprägt und geformt haben. Dazu gehört auch die Integration der schmerzhaften Erfahrungen und der Seiten von uns, die wir lieber nicht (wahr) haben wollen. Diese Aufstellungsarbeit unterstützt somit das Erkennen und Heilen von traumatischen Erfahrungen.

Erwachsensein

Die Lebensaufstellungen unterstützen uns, damit wir auch tatsächlich im Bewusstsein unserer Lebensstufe sind. Für mich als Erwachsener heißt dies, dass mir bewusst ist, dass ich erwachsen und damit voll selbstverantwortlich für mein Leben bin. Das klingt einfach und logisch, die Umsetzung erfordert jedoch ein klares Unterscheidungsvermögen für kindliche und erwachsene Verhaltensmuster. Das gelingt nur, wenn wir unsere Ressourcen und früheren Lebenserfahrungen bejaht und integriert haben. Ansonsten fallen wir meist unbewusst schnell in Verhaltensmuster zurück, die uns früher einmal sehr nützlich waren, doch uns heute wenig dienlich sind (Resignation, Rückzug, Wutausbrüche, Jammern, Angeben, Aufdrehen und vieles mehr). Es geht um das Umarmen unseres Lebens, so wie es war und ist. Dadurch passiert Heilung. Wir können authentisch im Hier und Jetzt sein und nach vorn schauen.

Der Unterschied zum Familienstellen

"Lebens-Integrations-Prozess (LIP) ist eine grundlegende Erweiterung der Aufstellungsmethode, die dem Familienstellen inhaltlich etwas Wesentliches hinzufügt und methodisch neu und eigenständig ist. Bei Familien- und Systemaufstellungen geht es um den Platz einer Person in einem größeren System oder um die Beziehung zu Eltern, Kindern, Partnern oder anderen wichtigen Personen. Auch dort, wo, wie beispielsweise bei der Arbeit mit Krankheiten, ein Symptom, ein Organ oder Ähnliches aufgestellt wird, wirken immer andere Personen und Beziehungen im Hintergrund. Die Klärung dieser Beziehungen und das Nehmen seines Platzes im größeren Kontext hat eine enorme Wirkung und setzt sehr viel Kraft frei, die in alten Konflikten gebunden war. Eines wird dabei jedoch meist übersehen oder lediglich am Rande gestreift: der ureigene, individuelle Lebensweg und die dem zugrunde liegende innere Vision. Diese Lücke füllt der Lebens-Integrations-Prozess (LIP). Beim LIP steht allein das persönliche Leben des Klienten im Mittelpunkt, es geht um ihn selbst, seinen Lebensweg, seine innere Vision, sein Potential und sein Wachstum. Das alleinige Anliegen bist DU." W. Nelles

Die 7 Lebensphasen und Bewusstseinsstufen nach Wilfried Nelles*

Stufe 1: Ungeborenes Kind – Symbiotisches Einheitsbewusstsein
Stufe 2: Kindheit – Gruppenbewusstsein
Stufe 3: Jugend – Ich-Bewusstsein
Stufe 4: Erwachsener – Selbst-Bewusstsein
Stufe 5: Reifer Erwachsener (ab ca. 50) – Geist-Bewusstsein
Stufe 6: Alter - Wissendes Einheitsbewusstsein
Stufe 7: Tod – Nicht- oder All-Bewusstsein 


Die Aufstellungsmethode

Für die oben genannten Bewusstseinsstufen werden in einer kreisförmigen Anordnung 7 Plätze mittels Papierblätter vorgehalten. Nach dem Vorgespräch mit dem Aufstellungsleiter nimmt der Aufstellende seinen Platz bei der 4. Stufe (Erwachsener) ein. Anschließend bittet er/sie 3 Personen aus der Gruppe sich zu den ersten 3 Stufen zu stellen und diese Lebensphasen zu vertreten.

Danach geht der Aufstellende ohne Wort in Kontakt zum Vertreter seiner vorgeburtlichen Lebenszeit. Jetzt wird sichtbar, in welcher Weise der Erwachsene mit der Lebensenergie des Fötus in Verbindung ist. Welche Botschaft hat der Fötus an den Erwachsenen? Ist der Erwachsene mit der besonderen Schönheit und Kraft, die in ihm bereits als Fötus lebendig war, in Verbindung? Kann er diese Mitgift (Nelles) sehen und integrieren? Gab es traumatische Ereignisse, die ebenfalls integriert werden wollen? Verhält der Erwachsene sich erwachsen oder vielleicht eher wie es für einen Fötus gemäß ist? Was bereits durch den bewussten Kontakt zur ersten Lebensstufe sich zeigen und integriert werden will, ist immer für alle eine Überraschung.

In ähnlicher Weise nimmt dann der Erwachsene zu den anderen früheren Lebensphasen Kontakt auf. Was sich in den einzelnen Stufen alles zeigen kann, ist äußerst vielschichtig, wie das Leben selbst. Es geht dabei um Zustimmung und Integration unseres gesamten Lebens. Nur so kommen wir in die Kraft, die wir als erwachsener Mensch brauchen, um ein selbstverantwortliches Leben führen zu können.

Der Aufstellungsleiter hat die Aufgabe diesen Prozess zu begleiten und zu unterstützen. Naturgemäß fällt es niemanden leicht, die bisher verdrängten eigenen Anteile wahrzunehmen, sie liebevoll anzuschauen, bis sie integriert sind. Auch wenn dies nicht gleich gelingt, wird ein Prozess angestoßen, der nun auf subtile Weise im Alltag zum Tragen kommt.

Zum Kennenlernen der Lebensphasenaufstellungen war ich zu mehreren Weiterbildungen bei Dr. Wilfried Nelles. Dort konnte ich in ca. 45 Aufstellungen von seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren und sehen, wie wichtig es als Aufstellungsleiter ist, auf die feinsten Details zu achten und sie zu verstehen. Obwohl ich selbst schon unzählige Familien- und Systemaufstellungen geleitet habe, bin ich Wilfried Nelles sehr dankbar, dass ich sehr viel von ihm über die Vorgehensweise und Besonderheiten dieser Aufstellungsarbeit lernen durfte. Besonders wertvoll für mich war natürlich meine eigene Aufstellung.  

*Aus „Umarme dein Leben“; W. Nelles, 2012, Innenwelt-Verlag

 

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